Kalle für Alle – UPDATE 14.3.: Zwangsräumung auf den 16. April verschoben!

20140215_120355Am 20. Februar 2014 sollte Karl Heinz Gerigk (Kalle), der seit 32 Jahren eine Dachgeschosswohnung im Kölner Agnesviertel bewohnt, zwangsgeräumt werden. Der Vermieter und Immobilienmakler Marco Hauschild der Objekt-Design GmbH hatte kurz nach dem Erwerb der Wohnung erfolgreich auf „Eigenbedarf“ geklagt. Und das, obwohl er die Wohnung im Internet schon zum Weiterverkauf angeboten hatte.

Dieser Skandal ging in den letzten Wochen durch alle Medien weit über das Rheinland hinaus. Zeitungen, Fernsehsender und Nachrichten begleiteten die versuchte Zwangsräumung und berichteten von der weit verbreiteten Praxis, dass immer mehr Banken, Immobilienfirmen und Spekulanten ihre Finger auf die begehrten Wohn- und Geschäftslagen in Metropolen wie Köln legen.

Erste Zwangsräumung erfolgreich verhindert

Nachdem der Gerichtsvollzieher aufgrund der massiven Blockade von 300 Anwohner_innen und Unterstützer_innen die Räumung von Kalle Gerigk abgeblasen hatte, teilte er umgehend den Termin für seinen zweiten Versuch schriftlich mit. Wir können uns also nicht auf unserem Etappensieg ausruhen – der Termin für den zweiten Zwangsräumungsversuch ist für den 18. März 2014 um 8 Uhr angekündigt. Doch mittlerweile ist das Thema Zwangsräumungen (als besonders gewaltförmige Art der Verdrängung) zum Stadtgespräch geworden und damit von den Behörden nicht mehr nur als “ordnungspolitisches” Problem zu behandeln. Vielmehr steht jetzt die Politik in der Verantwortung, die den Rahmen für das lukrative Immobiliengeschäft mit der Vertreibung setzt.

Wir fordern, dass Kalle Gerigk in seiner Wohnung bleiben kann!

Martin Börschel, Fraktionsvorsitzender der Kölner SPD, hat unmittelbar vor dem ersten Zwangsräumungs­termin versucht, Kalle öffentlich „moralisch“ unter Druck zu setzen. Er hatte vorgeschlagen, dass Kalle die Wohnung verlässt und man eine spontane Demonstration gegen Wohnungsnot und Luxussanierungen organisiert. Darauf hat sich Kalle konsequenter Weise nicht eingelassen. Herr Börschel sollte lieber konkrete Lösungen für das akute Wohnungsproblem zehntausender Menschen in Köln präsentieren, statt dem (Un-)“Recht auf Verwertung des Eigentums” auch noch den Weg zu ebnen.

Kalle für Alle

Kalle Gerigk steht symbolisch für immer mehr Menschen in dieser Stadt: Mieter_innen und Mieter, die nach einer Mieterhöhung zwischen Armut und Auszug wählen müssen. Menschen, die durch Abriss, Luxussanierung oder Anmeldung von angeblichem Eigenbedarf aus der Wohnung gedrängt werden. Menschen mit Durchschnittseinkommen, die in der Stadt trotz langem Suchen keine bezahlbare Wohnung finden. Studierende, die nicht zum studieren kommen, weil sie für Wuchermieten arbeiten müssen. Menschen, die keine Chance bekommen, aus der Obdachlosigkeit auszubrechen. Besonders Migrant_innen haben kaum Möglichkeiten, bezahlbaren Wohnraum zu erhalten und sind der Willkür von Miethaien ausgesetzt. So kann und darf es nicht weitergehen!

weitere Termine:

  • Mi. 12.3. Besuch der SPD-Fraktion | 16 Uhr, SPD-Zentrale, Magnusstr. 18b
  • Fr. 14.3. Nachbarschaftscafé mit Infos zu Blockade und Straßenfest | 17 Uhr, Alte Feuerwache
  • Mo. 17. März | Warm-Up „Kalle für Alle“ in der Robertstr. in Kalk | 17 Uhr | Kundgebung vor dem von Zwangsversteigerung bedrohten Haus Robertsstr. 12 (U-Bahnhalt Kalk-Post)
  • Mo 17. März | Convergence Center „Kalle für Alle“ in der Alten Feuerwache | 20-22 Uhr | Ankunft, letzte Infos und Unterbringung der auswärtigen Unterstützer*innen für die am nächsten Morgen anstehende Blockade
  • Di 18. März | Blockade + Straßenfest „Kalle für Alle“ in der Fontanestr. | 7 Uhr | Zwangsräumung verhindern
  • Mo 24. März | Treffen der Initiative Recht auf Stadt inder Alten Feuerwache | 19 Uhr im Offenen Treff | Weiter geht’s – „Kalle für Alle“ als Motto ernst nehmen

Initiativen „Recht auf Stadt“ und „Wohnraum für Alle!“
Offener Brief von „Initiative Recht auf Stadt-Köln“ an den Kölner SPD-Fraktionsvorsitzenden und Landtagsabgeordneten Martin Börschel

Sehr geehrter Herr Börschel,

am 20. Februar wurde der Versuch, Karl-Heinz ‘Kalle’ Gerigk zwangsweise aus seiner Wohnung in der Fontanestr. im Agnesviertel zu räumen, durch die große Solidarität vieler Menschen erfolgreich verhindert. Nicht nur diejenigen, dies sich an diesem Tag in aller Frühe vor der Wohnung von Kalle Gerigk versammelt hatten, sondern nach unseren Erfahrungen die Mehrzahl der Menschen in dieser Stadt, waren empört, dass Mieter wie Kalle Gerigk, die (in diesem Fall seit über 30 Jahren) in ihrer Wohnung wohnen, Freundschaften zu Nachbarn und Anwohnern aufgebaut haben, Teil des Veedels geworden sind, einfach aus ihrer Wohnung und ihrem Umfeld vertrieben werden sollen.

An dieser Situation hat sich leider nichts geändert. Herrn Gerigk wurde noch am Nachmittag des 20. Februar schriftlich durch den Gerichtsvollzieher angekündigt, ihn nunmehr am 18. März zwangsweise aus seiner Wohnung zu räumen.
Wir wollen aber weiter nicht hinnehmen, dass Kalle Gerigk aus seiner Wohnung und seinem Veedel vertrieben wird und weiter nicht hinnehmen, dass er ohne dauerhafte Bleibe wäre.

Uns ist nicht bekannt, dass von Ihrer Seite irgendeine Lösung vorgeschlagen worden wäre. Uns ist nicht bekannt, dass Sie und die mit Ihnen in Köln regierenden Grünen, irgendeine konkrete Maßnahme beschlossen hätten, die derartige Vertreibungen von Mietern verhindern würde. Uns ist auch nicht bekannt, dass Sie konkrete Maßnahmen ergriffen hätten, die das alltägliche Drama für Mieter und Wohnungssuchende in Köln lösen würden.
Wir weisen erneut darauf hin, dass die Situation von Kalle Gerigk durchaus symbolisch für die verzweifelte Lage von vielen tausend Menschen in dieser Stadt steht: Mieterinnen und Mieter, die nach einer Mieterhöhung zwischen Armut und Auszug wählen müssen. Menschen, die durch Abriss, Luxussanierung oder Anmeldung von angeblichem Eigenbedarf aus der Wohnung gedrängt werden. Menschen mit Durchschnittseinkommen, die in der Stadt trotz langem Suchen keine bezahlbare Wohnung finden. Studierende, die nicht zum studieren kommen, weil sie für Wuchermieten arbeiten müssen und Menschen, mit und ohne deutschen Pass, die keine Chance bekommen, aus der Obdachlosigkeit zu gelangen. So kann und darf es nicht weitergehen!

Aus Solidarität mit Kalle Gerigk und mit allen anderen Betroffenen rufen wir dazu auf, sich am 18. März dem erneuten Versuch der Zwangsräumung wieder in den Weg zu stellen,.

In der Presse haben Sie, Herr Börschel, geäußert, das Anliegen von Herrn Gerigk sei berechtigt. Gleichzeitig haben Sie aber öffentlich Druck gemacht, auf wirksame Formen des Widerstandes, wie einer Sitzblockade, zu verzichten. Wir haben den Eindruck, dass Sie vor allem dafür sorgen wollen, dass auch diese Verdrängung eines Mieters möglichst geräuschlos vonstatten gehen kann, wie das bislang in dieser Stadt immer der Fall war. Oder haben Sie für Kalle Gerigk eine konkrete Lösung anzubieten? Und was ist mit den vielen anderen Betroffenen?
Wir werden zu einem öffentlichen Gespräch am Mittwoch, 12. März, um 16:00 Uhr in Ihr Büro kommen, um das zu erfahren. Damit dies ein ernsthaftes Gespräch über konkrete Lösungen sein kann, fordern wir, dass der Zwangsräumungstermin ausgesetzt wird.

Mit freundlichen Grüßen
Initiative Recht auf Stadt-Köln
Köln, 07.03.2014

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